Ein ereignisreiches Jahr 2024 hat begonnen:
viele Themen rund um Joseph Haydn und Franz Liszt bis Arnold Schoenberg werden uns heuer beschäftigen und wir versprechen uns viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen.
Internationale Kooperationen und Partnerschaften erweitern den Horizont und ermöglichen den Kontakt mit unterschiedliche Wahrnehmungs- und Annäherungsweisen, die für den notwendigen pluralistischen Umgang mit künstlerischem und historischem Material unerlässlich sind.
Deshalb widmen wir uns heuer gleich zwei Projekten im internationalem Austausch:
im Erasmus+Projekt “J. N. Hummel – zwischen Haydn und Liszt” gemeinsam mit der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Musikakademie VSMU Bratislava werden die historischen, ästhetischen, werkimmanenten Zusammenhänge bzw. Unterschiede im Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten und ihre Auswirkungen bis heute, ausgeleuchtet. Musikinstitutionen der wichtigsten Lebensstationen Hummels (Bratislava, Eisenstadt, Weimar) bearbeiten die Themenfelder auf unterschiedliche Weise und aus verschiedenen Perspektiven im gegenseitigen Austausch und mittels gemeinsamer Aktivitäten. Hummels künstlerisches und pädagogisches Wirken als Bindeglied zwischen „Klassik“ und „Romantik“ bedarf nach wie vor einer gründlichen Aufarbeitung und ist für das Verständnis der Entwicklung abendländischer Musiktradition von nicht zu unterschätzender Bedeutung, da sein Werk und Wirken der landläufigen Rezeption klassischer Musik neue Impulse geben kann. Ziel ist es, in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Phänomen dieses Komponisten, die, im regionalen wie historischen Sinne, grenzüberschreitende Macht der künstlerischen Aussage und ihre ungebrochene Verbindlichkeit bis heute darzustellen und ins Bewusstsein zu bringen. Den Studierenden soll, durch die unterschiedlichen Perspektiven und Annäherungen der teilnehmenden Institutionen, die schöpferische Kraft der Diversität im künstlerischen wie pädagogischen Prozess erlebbar gemacht und im eigenen Vollzug nachhaltig verankert werden. Durch öffentliche Veranstaltungen und der Integration moderner Medien ist auch eine weitgehende Dissemination garantiert. VSMU Bratislava und die HfM Weimar setzen ihre Schwerpunkte auf die Klavier- und Kammermusik Hummels und dessen klavierpädagogische Bedeutung, während wir als JHP Eisenstadt uns mit der Thematik der Messen Hummels im Dialog mit den entsprechenden Kompositionen von Haydn und Beethoven auseinandersetzen und die bislang uneditierte Kantate “Diana et Endymione” rekonstruieren und zur Aufführung bringen wollen.
Geplanter Beginn: Herbst 2024
Das zweite internationale Projekt ist das Symposium “Sinfonia caracteristica”, das wir in Kooperation mit der Internationalen Joseph Haydn Privatstiftung Eisenstadt im Oktober 2024 veranstalten werden. Der Untertitel „…dass er in seinen Symphonien öfters moralische Charaktere geschildert habe.“ (ein Zitat aus G. A. Griesingers Haydnbiographie) deutet an, dass es um das Charakteristische, das Abbildende und das Dramatische in der Instrumentalmusik des 18. u. 19. Jahrhunderts, im Spannungsfeld zwischen „Lautmalerei“ und „absoluter Musik“, geht. Im Zentrum stehen jene Symphonien Joseph Haydns, die nachweislich auch für dramatische Zwecke Verwendung fanden bzw. die er nachträglich aus Ouvertüren und Zwischenaktmusiken zusammengestellt hat.
Geplant ist ein dreiteiliger Ablauf: Im ersten Teil soll das kompositorische Umfeld Haydns mit Beispielen seiner Zeitgenossen und den aus der Praxis stammenden Gepflogenheiten in der musikalischen Umsetzung unterschiedlicher Vorgaben bzgl. des Abbildenden und Erzählenden in der Musik und seine klangliche wie formale Umsetzung untersucht werden. Der zweite Teil handelt von Haydns Instrumentalwerken (vornehmlich den Symphonien) denen laut Carpani und Griesinger Charaktere bzw. Szenen zugrunde liegen (Stichwort „Zwiegespräch zwischen Gott und dem Sünder“). Im dritten Teil geht es um die Auswirkungen und Behandlung des Themenkreises in den Folgegenerationen und die daraus resultierte Kontroverse „Programmmusik vs. Absolute Musik“.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet heuer natürlich das Schoenbergjahr, dem neben Konzerten auch Lecture-Recitals und Vorträge gewidmet sind, die sich mit der kompositionstechnischen Entwicklung von Haydns motivischer Arbeit über Liszts “Idee fixe” bis zu Schönbergs “entwickelnder Variation” auseinandersetzen.
Im ersten Halbjahr wird auch die erste der regelmäßig erscheinenden Publikationsreihe des Instituts erscheinen, in der Beiträge zu verschiedensten Themen im Bereich Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Artistic Research, aber auch Berichte und Kritiken, Gastbeiträge und ausgezeichnete Arbeiten unserer Studierenden publiziert werden.
Die monatlichen “Salonkonzerte” im Haydnhaus finden wieder ihre Fortsetzung und an der Erweiterung der Spielstätten (Schloss Kobersdorf, u.a.) wird gearbeitet. Eine großartige Novität bildet die exklusive Möglichkeit für unsere Lehrenden und Studierenden, die beiden renovierten historischen Hammerflügel im Schloss Esterhazy für Unterricht und Konzert nützen zu dürfen.
Weitere öffentliche Präsentationen unserer Arbeit sind auch am Tag der feierlichen Eröffnung der Joseph Haydn Privathochschule am 10. 4. 2024 zu erleben und auch in der “Langen Nacht der Forschung” am 24. 5. 2024 wird das Institut Einblicke in die praktische künstlerische Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen geben.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen erfolgen zeitgerecht hier und auf der Homepage der JHP.
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